Die Leiden des jungen Werther (Reclams Universal-Bibliothek)

By Johann Wolfgang von Goethe

"Es ist interessant zu sehen, mit welchem glücklichen Instinkt alles was once dem sentimentalischen Charakter Nahrung gibt, im Werther zusammen gedrängt ist; schwärmerische unglückliche Liebe, Empfindsamkeit für Natur, Religionsgefühle, philosophischer Kontemplationsgeist, endlich, um nichts zu vergessen, die düstre, gestaltlose, schwermütige Ossianische Welt. Rechnet guy dazu, . . . wie von außen her alles sich vereinigt, den Gequälten in seine Idealwelt zurückzudrängen, so sieht guy keine Möglichkeit, wie ein solcher Charakter aus einem solchen Kreise sich hätte retten können. "Der AutorJohann Wolfgang von Goethe (1749-1832) verbrachte seine Jugend in Frankfurt, zog in seiner Studienzeit nach Leipzig und Straßburg und arbeitete ab 1771 als Anwalt wieder in seiner Heimatstadt Frankfurt. 1775 wurde er an den Hof von Weimar berufen, wo er (mit Unterbrechungen wie der Italienischen Reise) bis zu seinem Tod blieb.

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Aber auch im gemeinen Leben ist’s unerträglich, speedy einem jeden bei halbweg einer freien, edlen, unerwarteten Tat nachrufen zu hören: der Mensch ist trunken, der ist närrisch! Schämt euch, ihr Nüchternen! Schämt euch, ihr Weisen! Das sind nun wieder von deinen Grillen, sagte Albert, du überspannst alles, und hast wenigstens hier gewiss Unrecht, dass du den Selbstmord, wovon jetzt die Rede ist, mit großen Handlungen vergleichst: da guy es doch für nichts anders als eine Schwäche halten kann. Denn freilich ist es leichter zu sterben, als ein qualvolles Leben standhaft zu ertragen.

Der jüngere aber dort hinten ist so alt als meine Frau, im Oktober funfzig Jahr. Ihr Vater pflanzte ihn des Morgens, als sie gegen Abend geboren wurde. Er battle mein Vorfahr im Amt, und wie lieb ihm der Baum conflict, ist nicht zu sagen; mir ist er’s gewiss nicht weniger. Meine Frau saß darunter auf einem Balken und strickte, da ich vor siebenundzwanzig Jahren als ein armer scholar zum ersten Male hier in den Hof kam. – Lotte fragte nach seiner Tochter: 35 es hieß, sie sei mit Herrn Schmidt auf die Wiese hinaus zu den Arbeitern, und der Alte fuhr in seiner Erzählung castle: wie sein Vorfahr ihn lieb gewonnen und die Tochter dazu, und wie er erst sein Vikar, und dann sein Nachfolger geworden.

Oft im sinkenden Monde sehe ich die Geister meiner Kinder, halb dämmernd wandeln sie zusammen in trauriger Eintracht. « five 10 15 20 25 30 Ein Strom von Tränen, der aus Lottens Augen brach und ihrem gepressten Herzen Luft machte, hemmte Werthers Gesang. Er warf das Papier hin, fasste ihre Hand und weinte die bittersten Tränen. Lotte ruhte auf der andern und verbarg ihre Augen ins Schnupftuch. Die Bewegung beider conflict fürchterlich. Sie fühlten ihr eigenes Elend in dem Schicksale der Edlen, fühlten es zusammen und ihre Tränen vereinigten sie.

Werther! Sie sehn mich nicht wieder. – Und mit dem vollsten Blick der Liebe auf den Elenden eilte sie ins Nebenzimmer und schloss hinter sich zu. Werther streckte ihr die Arme nach, getraute sich nicht, sie zu halten. Er lag an der Erde, den Kopf auf dem Kanapee, und in dieser Stellung blieb er über eine halbe Stunde, bis ihn ein Geräusch zu sich selbst rief. Es struggle das Mädchen, das den Tisch decken wollte. Er ging im Zimmer auf und ab, und da er sich wieder allein sah, ging er zur Türe des Kabinetts und rief mit leiser Stimme: Lotte!

Die Korrekturen sind im einzelnen verzeichnet. Verzeichnis sämtlicher Textabweichungen gegenüber der Weimarer Ausgabe Die Lesart des vorliegenden Textes steht vor, die der Druckvorlage nach der Lemmaklammer. Die Ziffern verweisen auf die Seiten- und Zeilenzahl der vorliegenden Ausgabe. (WA = Weimarer Ausgabe; JA = Jubiläums-Ausgabe; FA = Festausgabe. ) 5,16 ergetzt? ] ergetzt, 6,9 wäre,] wäre 6,10 verlangten] verlangten. 1. Fass. 6,17 wohl. Die] wohl, die 1. Fass. ; JA, FA 6,27 einen] seinen 1. Fass. ; JA 8,16 Mauer,] Mauer 1.

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